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Rede von Kai Gerfelder zu TOP 16 der Sitzung des Kreistages OF „Regionaltangente West“ am 04.12.2019

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Sehr geehrte Damen und Herren,

im Hinblick auf die anstehende Entscheidung zur Regionaltangente West (RTW) ist heute in diesem Hause kein strittiges Bild zu erwarten. Ich gehe davon aus das weite Teile des Kreistages diese Entscheidung mittragen werden. Dies hat sich ja auch bereits im Haupt- und Finanzausschuss so abgezeichnet. Ich möchte daher verbunden mit dem Redebeitrag der SPD-Fraktion die Binnensicht des Kreises Offenbach um die Sicht der Rhein-Main-Region hinsichtlich der RTW ergänzen.

Die Grenzen der Leistungsfähigkeit des schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehrs sind im Gebiet der Rhein-Main-Region schon seit langem erreicht. Die jährlichen Fahrgastzahlen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) sind zwischen 1996 und 2018 von 530 Mio. auf fast 800 Millionen Fahrgäste gestiegen. Bis zum Jahr 2030 rechnet der RMV gar mit einer Milliarde Fahrgästen.

Regionaltangente_West_2

Quelle Grafik: wikipedia

Das genannte Wachstum von 40 Prozent wurde fast ausschließlich auf dem vorhandenen Schienennetz realisiert. Lediglich die S-Bahnstrecke Rodgau ist neu hinzugekommen. Seit dem Jahr 2004 ist das Schienennetz um keinen einzigen Kilometer ergänzt worden.

Für die steigende Bevölkerungszahl werden derzeit viele Wohnungsflächen neu erschlossen und bebaut. Zusätzlich entsteht neuer Wohnraum durch Aufstockung und Baulückenbebauung im Bestand. Laut Wohnraumbedarfsprognose des IWU ist für Südhessen ein Bevölkerungswachstum bis zum Jahr 2030 von 225.000 Einwohnern prognostiziert. Das entspricht zweimal der Größe von Offenbach.

Die Bevölkerungszahl steigt schnell und das Nahverkehrsangebot kann die steigende Nachfrage nicht mehr decken. Diese Situation führt zu überfüllten Zügen im Berufsverkehr, Zugverspätungen auf überlasteten Strecken und zu Problemen in der Regionalentwicklung insgesamt. Der Ausbau des Schienennetzes ist also dringlich und überfällig.

Und das Problem ist nicht neu: Bereits bei der Erarbeitung des Integralen Taktfahrplans 1992/93 stellte sich heraus, dass es wegen der absehbaren Kapazitätsengpässe im Vorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofes langfristig erforderlich wird, umfangreiche Umbauten vorzunehmen und Teile in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zu verlegen. Die Deutsche Bundesbahn stellte deshalb 1996 das Projekt „Frankfurt 21“ vor. Der nach Westen ausgerichtete oberirdische Kopfbahnhof sollte im Rahmen dieses Projektes durch einen in Ost-West-Richtung verlaufenden Durchgangsbahnhof in Tieflage ersetzt werden. Ziel war es auch, die Ströme des Fern-, Regional- und Güterverkehrs zu entflechten.

Aufgrund der erheblichen Kostensteigerungen wurde das Projekt immer wieder zurückgestellt. Schließlich stellte die Deutsche Bahn 2006 das Projekt „Frankfurt 21“ ein, da es finanziell nicht darstellbar war. Damit war auch das Ziel des Projektes, notwendige Leistungsfähigkeitsreserven im Knoten Frankfurt zu schaffen ebenso gescheitert, wie ein zukunftsfähiges Fernverkehrsnetz, Reduzierung des betrieblichen Aufwandes für die Deutsche Bahn. Zudem konnten die durch Reisezeitverbesserungen erwarteten Zuwächse im Fernverkehr und die damit verbundenen zusätzlichen Einnahmen nicht realisiert werden.

Nach der Aufgabe des Projekts „Frankfurt 21“, wurde das Konzept „Rhein-Main-Plus“ vorgestellt, das zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Schienenverkehrs im Rhein-Main-Gebiet vorsieht. Aktuell sind dies der Bau der Nordmainischen S-Bahn, der Ausbau der S-Bahn nach Friedberg sowie Gateway-Gardens.

Als weitere Maßnahme entstand die Idee der RTW (Regionaltangente West) zur westlichen Umfahrung der Frankfurter Innenstadt und des Hauptbahnhofs. Im Gegensatz zu den bestehenden Regional- und S-Bahn-Linien, die sternförmig auf Frankfurt ausgerichtet sind, soll durch die tangentiale Verbindung dieser Linien erreicht werden, dass der Umstieg nicht erst am Hauptbahnhof erfolgen kann. So können die Reisezeiten verkürzt und die Kapazitätsprobleme am Frankfurter Hauptbahnhof und im City-Tunnel gelöst werden.

Bereits seit 1992 finden die Planungen zur Regionaltangente West (RTW) statt. Die bisherige Planungszeit hat mehr als 25 Jahre gedauert. Sie zeigt beispielhaft die zu langen Planungsverfahren für dringend benötigte Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland. Ich habe darauf bereits in meiner Rede zur Modellregion 365-Euro-Ticket am 30. Oktober hingewiesen

Deshalb müssen wir nun die Gelegenheit beim Schopfe packen und entsprechend in der Sache weiter voranschreiten. Selten zuvor war die Bereitschaft bei Bund und Land so groß, entsprechende Schienenverkehrsvorhaben zu unterstützen.

Mit dem heutigen Beschluss erweisen wir deshalb nicht nur dem Kreis Offenbach und den Streckenanrainern einen Dienst. Die RTW ist eine Maßnahme, die die ganze Region nach vorne bringen wird. Und lassen Sie mich hinzufügen und einen Blick in die Zukunft werfen:

Angesichts des Wachstums und der gleichzeitigen Herausforderung des Klimawandels muss es weiter Ziel bleiben, einen Schienenring rund um Frankfurt zu verwirklichen, wie dies bereits im Generalverkehrsplan 2000 des Umlandverbandes Frankfurt vorgesehen war. Also der Bau der sogenannten Regionaltangente Ost als die Verlängerung der RTW im südlichen und nordöstlichen Bereich von Frankfurt.

Das ist aber noch Zukunftsmusik, heute geht es um die Fortführung der RTW, die heute unsere volle Unterstützung erhält.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.